Liebende für einen Tag

Les amants d`un jour
K: Marguerite Monnot
T:C. Delecluse, M. Senlis
Editions Paul Beuscher, Paris
Ralph Siegel Musik Edition, München

Ich spül die Gläser ab hier hinten im Café,
denk an diesen Tag und das tut so weh.
Ich erinnre mich, ich war hier allein,
plötzlich kommen sie da zur Tür herein.
Sie kommen herein, halten sich bei der Hand,
stehen verloren mit dem Rücken zur Wand.
Sie fragen ganz still nach nem Bett für ne Nacht,
mit einer Sehnsucht- die neidisch macht.
Ich weiß es ganz genau noch, wie sie da stehn,
wie sie verstohlen das Zimmer ansehn.
Wie zwei kleine Kinder, so verlassen, allein,
wollen sie heute Nacht zusammen sein.
In ihrem Blick, da war soviel Licht,
und Seligkeit lag auf ihrem Gesicht.

Ich spül die Gläser ab, hier hinten im Cafe,
denke nur daran und das tut so weh.
Heulen könnte ich, schrei‘ n aus tiefster Not,
denn am nächsten Tag fand man beide- tot.

Im Morgengrauen, als man sie dann fand,
verlor‘ n wie zwei Kinder lagen sie Hand in Hand.
So bleich wie sie waren legte man sie ganz still
zusammen ins Grab- irgendwann im April.
Ich denke oft zurück und seh sie da stehn,
hab ihr Zimmer gemacht und noch bei mir gedacht:
Das Zimmer der Liebenden für einen Tag,
das Bild seh ich immer, weil ich`s tief in mir trag.
In meinem Herzen gibt es einen Platz für sie,
ein Hauch von Glück- den vergesse ich nie.

Ich spül die Gläser ab, hier hinten im Café,
denke nur daran und das tut so weh.
Bin heut nicht bei mir, bin nicht ganz dabei...
Draußen hängt ein Schild:
..."Zimmer frei"...

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