Inas Geschichte:


letzte Änderung 22.08.99



4. Teil

. . . Durch alle Himmel und Höllen

ut Ding will ja bekanntlich Weile haben und so beginnt Ingrid mit der Suche nach geeigneten Mädels, um ihren Traum von der eigenen Mädchen-Band wahrzumachen. Und wie ihr auch wißt: Wer suchet, der findet - jedenfalls: Fast immer meistens - nicht. Sie hat auf alle Fälle was gefunden. Zwar nicht den berühmten Schatz am Ende des Regenbogens, sondern vier junge Frauen (Annette, Heidi, Evi und Karin), mit denen Musik machen zum ersten großen Erlebnis für sie wird. Vergessen wird die Zeit, in der sie lediglich als Aushängeschild einer Jungen-Band "mißbraucht" wird. Ingrid gründet als Band-Leaderin die "Lucky Girls". Wir können nur vermuten, daß ihre Mutter sehr froh darüber ist. Und damit meinen wir nicht etwa diese Bandgründung, sondern vielmehr die Tatsache, daß Ingrid durchaus langsam erwachsen und "vernünftig" zu werden scheint, denn, nachdem sie ja 14jährig die Schule verlassen hat, beginnt sie 1962 ein Grafikstudium, also etwas solides. Und, um sich ihr Taschengeld etwas aufzubessern, macht sie zusammen mit ihrer Band allabendlich Folk-Musik in Berliner Clubs. Geübt wird im Keller von Ingrids Mutter, auf teilweise improvisierten Instrumenten, wie z.B. dem Waschbrett, welches das Schlagzeug "ersetzt" oder auch einer Waschtrommel mit Besenstiel und Wäscheleine, das als Baß dient.
Bei ihrem allerersten öffentlichen Auftritt ist die Hölle los! Die Typen stehen schenkelklatschend an den Wänden, was die fünf in ihren Sackkleidern und Stöckelschuhen aber nicht sonderlich irritiert. Sie spielen allein für sich und sind nach jedem Auftritt supergut drauf. Daran ändert auch das magere "Gehalt" von 20 DM pro Kopf nichts.
Der Erfolg läßt nicht lange auf sich warten, und so gewinnen die "Lucky Girls" den ersten Preis bei einem Musikwettbewerb der Stadt Berlin. Damit sind sie die erfolgsreichste "Skiffle-Girl-Group" der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt geht es Ingrid noch richtig gut, weil die Anerkennung und das Staunen kein Ende nehmen. Allerdings soll sich dieses positive Lebensgefühl schon bald schlagartig ändern.
ommen wir jetzt aber ins Jahr 1963. Die "Lucky Girls" nehmen an einem Ball für junge Leute, dem "Swing mit" im "Prälat Schöneberg" teil. Die 16jährige Ingrid ist die Entdeckung des Abends! Aus dem energiegeladenen Pampersbündelchen ist eine stimmgewaltige Temperamentsbombe geworden, die an diesem Abend die jungen Leute von den Stühlen reißt und mit deren mächtigen Stimme man die Mauern von Jericho hätte einstürzen können. Wie auch immer, wir wollen auch in diesem Teil auf gar keinen Fall den Blick davor verschließen, was in der Welt ansonsten noch so vor sich geht.
Da ist z.B. die sowj. Kosmonautin Walentina Tereschkowa, die als erste Frau überhaupt in den Weltraum fliegt. Allerdings ist sie aber - im übertragenen Sinne - bestimmt nicht die erste und auch nicht die letzte Frau, die MANN auf den Mond schießt!
Heute (1999) sind wir da schon einen kleinen Schritt weiter, denn im Juli fliegt ein Raumschiff erstmalig seit 38 Jahren bemannter Raumfahrt unter weiblicher Führung ins All! Die fünköpfige Crew wird von der Shuttle-Kommandantin Eileen Collins geführt.
Zurück ins Jahr 1963: Für viele Menschen besonders tragisch ist der Tod der franz. Chansonsängerin Edith Piaf, die mit 47 Jahren in Paris stirbt.
Bis heute ist Ingrid von deren Leben und ihrer ganzen Lebensphilosophie derart beeindruckt, daß sie Jahre später diese Bewunderung in einem Lied für Edith Piaf zum Ausdruck bringen wird!
Das Schicksal nimmt auch für Ingrid seinen Lauf, denn kurz nach jenem besagten Auftritt beim "Swing mit"-Ball beginnt das große Unheil. Rasende Kopfschmerzen nehmen ihr fast die Besinnung. Das ärztliche Gutachten diagnostiziert schwere Kreislaufstörungen und angefriffene Nerven. Die Anstrengungen, die sie als Band-Leaderin und auch in ihrem Beruf als Grafikerin immer wieder unternehmen muß, um von den Männern nicht als Neutrum angesehen zu werden, sind zu groß und machen sie oft mutlos, ungerecht und aggressiv. Und das ist nun einmal zuviel für sie. Der Arzt verbietet ihr bis auf weiteres, Musik zu machen. Ingrid liegt mit hohem Fieber im Bett und schwebt wochenlang in der Ungewißheit, ob sie jemals wieder singen kann. Während dieser Zeit sagen die "Lucky Girls" mehrere Veranstaltungen ab, da sie ohne ihre "Chefin" nicht auftreten wollen. Glücklicherweise bringt auch diese schwere Zeit Ingrid nicht von ihrem großen Ziel ab.
Wir sagen da nur: Göttin sei Dank!


s ist wie Ein Wunder, daß es bei ihr - und auch bei uns - immer noch irgendwie weitergeht. Darum seid doch in vier Wochen auch wieder Für `n kurzen Augenblick unsere Gäste!




Teil 5

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