ut Ding will ja bekanntlich Weile haben und
so beginnt Ingrid mit der Suche nach geeigneten Mädels, um ihren Traum von der
eigenen Mädchen-Band wahrzumachen. Und wie ihr auch wißt: Wer suchet, der
findet - jedenfalls: Fast immer meistens - nicht. Sie
hat auf alle Fälle was gefunden. Zwar nicht den berühmten Schatz am Ende
des Regenbogens, sondern vier junge Frauen (Annette, Heidi, Evi und Karin), mit denen
Musik machen zum ersten großen Erlebnis für sie wird. Vergessen wird die
Zeit, in der sie lediglich als Aushängeschild einer Jungen-Band "mißbraucht"
wird. Ingrid gründet als
Band-Leaderin die "Lucky Girls". Wir können nur
vermuten, daß ihre Mutter sehr froh darüber ist. Und damit meinen wir nicht
etwa diese Bandgründung, sondern vielmehr die Tatsache, daß Ingrid durchaus
langsam erwachsen und "vernünftig" zu werden scheint, denn, nachdem sie ja
14jährig die Schule verlassen hat, beginnt sie 1962 ein
Grafikstudium, also
etwas solides. Und, um sich ihr Taschengeld etwas aufzubessern, macht sie zusammen
mit ihrer Band allabendlich Folk-Musik in Berliner Clubs. Geübt wird im Keller
von Ingrids Mutter, auf teilweise improvisierten Instrumenten, wie z.B. dem
Waschbrett, welches das Schlagzeug "ersetzt" oder auch einer Waschtrommel mit
Besenstiel und Wäscheleine, das als Baß dient.
Bei ihrem allerersten öffentlichen Auftritt ist die Hölle los! Die Typen stehen
schenkelklatschend an den Wänden, was die fünf in ihren Sackkleidern und
Stöckelschuhen aber nicht sonderlich irritiert. Sie spielen allein für
sich und sind nach jedem Auftritt supergut drauf. Daran ändert auch das
magere "Gehalt" von 20 DM pro Kopf nichts.
Der Erfolg läßt nicht lange auf
sich warten, und so gewinnen die
"Lucky Girls" den ersten Preis bei einem Musikwettbewerb der Stadt Berlin. Damit
sind sie die erfolgsreichste "Skiffle-Girl-Group" der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt
geht es Ingrid noch richtig gut, weil die Anerkennung und das Staunen kein Ende
nehmen. Allerdings soll sich dieses positive Lebensgefühl schon bald schlagartig
ändern.
ommen wir jetzt aber ins Jahr 1963. Die "Lucky Girls" nehmen an einem Ball für
junge Leute, dem "Swing mit" im "Prälat Schöneberg" teil.
Die 16jährige
Ingrid ist die Entdeckung des Abends! Aus dem energiegeladenen Pampersbündelchen
ist eine stimmgewaltige Temperamentsbombe geworden, die an diesem Abend die jungen
Leute von den Stühlen reißt und mit deren mächtigen Stimme man die
Mauern von Jericho hätte einstürzen können. Wie auch immer,
wir wollen auch in diesem Teil auf gar keinen Fall den Blick davor verschließen,
was in der Welt ansonsten noch so vor sich geht.
Da ist z.B. die sowj. Kosmonautin Walentina Tereschkowa, die als erste Frau überhaupt
in den Weltraum fliegt.
Allerdings ist sie aber - im übertragenen Sinne - bestimmt
nicht die erste und auch nicht die letzte Frau, die MANN auf den Mond schießt!
Heute (1999) sind wir da schon einen kleinen Schritt
weiter, denn im Juli fliegt ein Raumschiff erstmalig seit 38 Jahren bemannter Raumfahrt
unter weiblicher Führung ins All! Die fünköpfige Crew
wird von der Shuttle-Kommandantin Eileen Collins geführt.
Zurück ins Jahr 1963: Für viele Menschen besonders
tragisch ist der Tod der franz. Chansonsängerin Edith Piaf, die mit 47 Jahren in
Paris stirbt.
Bis heute ist Ingrid von deren Leben und ihrer ganzen Lebensphilosophie derart
beeindruckt, daß sie Jahre später diese Bewunderung in einem
Lied für Edith Piaf zum Ausdruck bringen wird!
Das Schicksal nimmt auch für Ingrid seinen Lauf, denn kurz nach jenem besagten
Auftritt beim "Swing mit"-Ball beginnt das große Unheil. Rasende Kopfschmerzen
nehmen ihr fast die Besinnung. Das ärztliche Gutachten diagnostiziert schwere
Kreislaufstörungen und angefriffene Nerven. Die Anstrengungen, die sie als
Band-Leaderin und auch in ihrem Beruf als Grafikerin immer wieder unternehmen muß,
um von den Männern nicht als Neutrum angesehen zu werden, sind zu groß und
machen sie oft mutlos, ungerecht und aggressiv. Und das ist nun einmal zuviel für
sie. Der Arzt verbietet ihr bis auf weiteres, Musik zu machen. Ingrid liegt mit
hohem Fieber im Bett und schwebt wochenlang in der Ungewißheit, ob sie jemals
wieder singen kann. Während dieser Zeit sagen die "Lucky Girls"
mehrere
Veranstaltungen ab, da sie ohne ihre "Chefin" nicht auftreten wollen. Glücklicherweise
bringt auch diese schwere Zeit Ingrid nicht von ihrem großen Ziel ab.
Wir sagen da nur: Göttin sei Dank!
s ist wie Ein Wunder, daß es bei ihr - und auch bei
uns - immer noch irgendwie weitergeht. Darum seid doch in vier Wochen auch wieder
Für `n kurzen Augenblick unsere Gäste!
