ie Anerkennung und das Staunen für die "Lucky Girls" nehmen kein Ende
und Ingrid fängt wohl erst jetzt an, es toll zu finden, etwas zu leisten, obwohl
sie ja "nur" ein Mädchen ist. Und wieder mal sind es die Männer,
die es nicht akzeptieren, daß Frauen trotzdem Frauen sind, auch wenn sie ein
starkes Selbstbewußtsein haben und den Mut besitzen, ihr Ding durchzuziehen.
Allerdings fällt es Ingrid immer schwerer, mit diesen Vorurteilen umzugehen, denn
ihr Wunsch ist es, so
von der Männerwelt akzeptiert zu werden, wie sie nun mal ist:
zuverlässig, kalkulierbar und immer zur Stelle, wenn es drauf ankommt, und das
heißt in ihren Augen eben ein bißchen Mann und ein bißchen Frau sein.
Es dauert lange Zeit, bis sie endlich auch die weibliche Seite an sich zeigen kann und
ihre Gefühle auch der Umwelt mitteilt. Zitat Ingrid aus dieser Zeit: "Heute
lebe ich, was ich bin und erlebe damit immer noch die Hölle auf Erden; aber...ich
kann das und das wieder, ich will was und das immer!"
Und mit genau diesem Selbstbewußtsein beschließt die 16jährige, in
Zukunft weder nachts auf U-Bahnhöfen noch sonstwo zu frieren und deswegen immer
ein Auto zu haben.
Wir fragen uns nun doch: Wie ist das möglich? Hat sie das Auto etwa gefahren?
Unsereins darf das hierzulande offiziell ja erst mit 18.
Ingrid kriegt also das Auto (so vermuten wir mal) und die "Luckys" ein
Problem. Aber nicht, wegen dem Auto - oder etwa doch?
Was ist bloß geschehen? Na ja, so genau wissen wir das auch nicht, aber Tatsache
ist, daß Annette zwei Jahre später schwanger wird und somit das Ende der
Band einläutet. Zaghafte Versuche, auch ohne Waschbrettistin irgendwie
weiterzumachen, scheitern jedoch, denn die anderen Mädels nehmen die ganze Sache
mit der Musik einfach nicht so ernst, wie Ingrid.
Mit ihren nunmehr achtzehn Jahren tingelt
Ingrid abends alleine durch die Berliner
Folk-Clubs und singt Lieder von Joan Baez und Bob Dylan in einer ihr völlig
fremden Sprache nach. Dabei begleitet sie sich selber auf der Gitarre. Auch heute (1999)
ist es ein absoluter Brüller, wenn sie im Konzert - vorausgesetzt die Stimmung
ist danach - alleine ein Duett von Baez/Dylan anstimmt.
Ein Jahr später schließt sie dann auch ihre Ausbildung als Grafikerin ab.
Das ist aber noch nicht alles, denn die folgende Zeit ist nicht gerade einfach
für sie. Ingrid ist frisch verlobt und wird ungewollt schwanger. Sie entscheidet
sich für die Karriere, weil
ihr klar ist, daß sie beiden (Karriere und Baby)
auf Dauer nicht gerecht werden kann. Zu groß ist der Wunsch, nach der Ausbildung
auch mal in ihrem Beruf als Grafikerin zu arbeiten.
Ganz ungefährlich ist diese Entscheidung für einen Abbruch aber nicht, denn
einerseits steht auf Abtreibung Gefängnis und andererseits gibt es Adressen von
Ärzten nur hinter vorgehaltener Hand. Ingrid hat in diesem Fall aber noch relativ
"Glück" gehabt, denn sie gerät an einen Arzt in einem reichen
Villenvorort und nicht an eine Engelmacherin. Die ganze Aktion verläuft
horrormäßig: Einlaß noch durch den Haupteingang, viel Geld auf den
Tisch legen, ab auf den Dachboden und dann still und heimlich durch den Hinterausgang
wieder raus.
ie neue Gitarre, von der sie schon länger träumt, muß noch etwas
warten, denn das Geld, das sie extra dafür gespart hat, muß sie für
den Abbruch hinblättern. Zwar bekommt sie das Geld von ihrem Verlobten
zurück, aber das ist angesichts dieser schweren psychischen Belastung wohl eher
ein kleiner "Trost".
Halten wir uns aber nicht zu lange mit diesem Jahr auf, sondern ziehen nun zügig
ein paar Monate weiter. Nach Adam Riese befinden wir uns also bereits im Jahr 1967. Ein
weiteres wichtiges Jahr - nicht nur für Ingrid.
Am 01.01. wird in
Berlin die "Kommune 1" gegründet, die erste politische
Wohngemeinschaft in Deutschland. Ziel dieser Kommune ist es, die hierarchisch
strukturierte Kleinfamilie aufzuheben und neue Lebensformen zu entwickeln. Als neues
Ideal gilt die sog. offene Beziehung. Zwei dieser WG-Bewohner - Uschi Obermeier und
Rainer Langhans - entwickeln sich zu Deutschlands Vorzeige-Kommunarden.
Was spielt sich unterdessen bei Ingrid ab? Sie trifft eine weitere wichtige
Entscheidung, denn 'Beinah wär es fast passiert'.
Um ein Haar wäre sie nämlich in den Hafen der Ehe eingelaufen.
Aber sie reißt das Ruder noch rechtzeitig herum und kümmert sich lieber
weiter um ihre Musik. Als "Singemaus" spielt sie einige
Zeit in einer "Country und Western-Band" und singt den Amis deren Musik in
den Headquaters in Berlin nach.
Nach diesem Abstecher in die Country-Szene steht Frau Deter im nächsten Teil ein
großes Ereignis bevor!
Wie singt sie doch immer so schön: "Laß dir Zeit"
. . ., und genau das werden wir vier Wochen lang tun. Dann lüften wir auch dieses Geheimnis!
