Inas Geschichte:


letzte Änderung 29.09.99

5. Teil
. . . Neue Männer braucht das Land

ie Anerkennung und das Staunen für die "Lucky Girls" nehmen kein Ende und Ingrid fängt wohl erst jetzt an, es toll zu finden, etwas zu leisten, obwohl sie ja "nur" ein Mädchen ist. Und wieder mal sind es die Männer, die es nicht akzeptieren, daß Frauen trotzdem Frauen sind, auch wenn sie ein starkes Selbstbewußtsein haben und den Mut besitzen, ihr Ding durchzuziehen. Allerdings fällt es Ingrid immer schwerer, mit diesen Vorurteilen umzugehen, denn ihr Wunsch ist es, so von der Männerwelt akzeptiert zu werden, wie sie nun mal ist: zuverlässig, kalkulierbar und immer zur Stelle, wenn es drauf ankommt, und das heißt in ihren Augen eben ein bißchen Mann und ein bißchen Frau sein.
Es dauert lange Zeit, bis sie endlich auch die weibliche Seite an sich zeigen kann und ihre Gefühle auch der Umwelt mitteilt. Zitat Ingrid aus dieser Zeit: "Heute lebe ich, was ich bin und erlebe damit immer noch die Hölle auf Erden; aber...ich kann das und das wieder, ich will was und das immer!"
Und mit genau diesem Selbstbewußtsein beschließt die 16jährige, in Zukunft weder nachts auf U-Bahnhöfen noch sonstwo zu frieren und deswegen immer ein Auto zu haben.
Wir fragen uns nun doch: Wie ist das möglich? Hat sie das Auto etwa gefahren? Unsereins darf das hierzulande offiziell ja erst mit 18.
Ingrid kriegt also das Auto (so vermuten wir mal) und die "Luckys" ein Problem. Aber nicht, wegen dem Auto - oder etwa doch? Was ist bloß geschehen? Na ja, so genau wissen wir das auch nicht, aber Tatsache ist, daß Annette zwei Jahre später schwanger wird und somit das Ende der Band einläutet. Zaghafte Versuche, auch ohne Waschbrettistin irgendwie weiterzumachen, scheitern jedoch, denn die anderen Mädels nehmen die ganze Sache mit der Musik einfach nicht so ernst, wie Ingrid.
Mit ihren nunmehr achtzehn Jahren tingelt Ingrid abends alleine durch die Berliner Folk-Clubs und singt Lieder von Joan Baez und Bob Dylan in einer ihr völlig fremden Sprache nach. Dabei begleitet sie sich selber auf der Gitarre. Auch heute (1999) ist es ein absoluter Brüller, wenn sie im Konzert - vorausgesetzt die Stimmung ist danach - alleine ein Duett von Baez/Dylan anstimmt.
Ein Jahr später schließt sie dann auch ihre Ausbildung als Grafikerin ab. Das ist aber noch nicht alles, denn die folgende Zeit ist nicht gerade einfach für sie. Ingrid ist frisch verlobt und wird ungewollt schwanger. Sie entscheidet sich für die Karriere, weil ihr klar ist, daß sie beiden (Karriere und Baby) auf Dauer nicht gerecht werden kann. Zu groß ist der Wunsch, nach der Ausbildung auch mal in ihrem Beruf als Grafikerin zu arbeiten.
Ganz ungefährlich ist diese Entscheidung für einen Abbruch aber nicht, denn einerseits steht auf Abtreibung Gefängnis und andererseits gibt es Adressen von Ärzten nur hinter vorgehaltener Hand. Ingrid hat in diesem Fall aber noch relativ "Glück" gehabt, denn sie gerät an einen Arzt in einem reichen Villenvorort und nicht an eine Engelmacherin. Die ganze Aktion verläuft horrormäßig: Einlaß noch durch den Haupteingang, viel Geld auf den Tisch legen, ab auf den Dachboden und dann still und heimlich durch den Hinterausgang wieder raus.
ie neue Gitarre, von der sie schon länger träumt, muß noch etwas warten, denn das Geld, das sie extra dafür gespart hat, muß sie für den Abbruch hinblättern. Zwar bekommt sie das Geld von ihrem Verlobten zurück, aber das ist angesichts dieser schweren psychischen Belastung wohl eher ein kleiner "Trost".
Halten wir uns aber nicht zu lange mit diesem Jahr auf, sondern ziehen nun zügig ein paar Monate weiter. Nach Adam Riese befinden wir uns also bereits im Jahr 1967. Ein weiteres wichtiges Jahr - nicht nur für Ingrid.
Am 01.01. wird in Berlin die "Kommune 1" gegründet, die erste politische Wohngemeinschaft in Deutschland. Ziel dieser Kommune ist es, die hierarchisch strukturierte Kleinfamilie aufzuheben und neue Lebensformen zu entwickeln. Als neues Ideal gilt die sog. offene Beziehung. Zwei dieser WG-Bewohner - Uschi Obermeier und Rainer Langhans - entwickeln sich zu Deutschlands Vorzeige-Kommunarden.
Was spielt sich unterdessen bei Ingrid ab? Sie trifft eine weitere wichtige Entscheidung, denn 'Beinah wär es fast passiert'. Um ein Haar wäre sie nämlich in den Hafen der Ehe eingelaufen. Aber sie reißt das Ruder noch rechtzeitig herum und kümmert sich lieber weiter um ihre Musik. Als "Singemaus" spielt sie einige Zeit in einer "Country und Western-Band" und singt den Amis deren Musik in den Headquaters in Berlin nach.
Nach diesem Abstecher in die Country-Szene steht Frau Deter im nächsten Teil ein großes Ereignis bevor!



Wie singt sie doch immer so schön: "Laß dir Zeit" . . ., und genau das werden wir vier Wochen lang tun. Dann lüften wir auch dieses Geheimnis!







Teil 6

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