licken wir noch mal kurz zurück: Ina hat ja - wie gelesen - nun ihren ersten
Plattenvertrag bekommen - und sie weiß ganz genau, was sie will - nämlich: die
alleinige Gestaltung des Plattencovers und keine Veränderung bei ihren
Liedtexten. Außerdem behält sie sich das Recht vor, die
sie begleitende
Band selbst auszusuchen. Warum auch nicht?
... wenn schon 'n Cowboy Präsident werden kann!
Sie entscheidet sich für die Gruppe "Hölderlin", mit der sie auch
schon beim "Lachen" toll zusammengearbeitet hat. Die Musiker akzeptieren die
Texte - lediglich der Produzent hat so seine "Probleme" sich damit zu
identifizieren.
Der Titel der LP "Ich sollte eigentlich ein Junge werden" (1976) entsteht aus
trauriger Selbsterfahrung. Es ist Inas Geschichte; die Erlebnisse und Erfahrungen sind
ihre eigenen. Genauso gut könnte das aber auch jede andere erlebt haben, denn die
Ängste, Hoffnungen und Wünsche ähneln sich. Ina schreibt über
sich, weil das Reden noch nicht möglich ist. Anders als früher singt sie ihre
Lieder nun nicht mehr nur für sich. Die Lieder sind vielleicht nicht für jeden,
aber bestimmt nicht nur für Frauen.
Auch im Jahr 1977 passieren einige Dinge, die für die Frau an sich nicht ganz
uninteressant sein sollten. Nehmen wir z.B. den Start der
Frauenzeitschrift
"Emma". Wir fassen uns kurz und dann ein Herz und erwähnen nur
deshalb nebenbei, daß Ina u.a. auch gerne bei dieser Gründung dabeigewesen
wäre. Göttin sei Dank, ist sie aber wenigstens bei der Gründung ihres
eig. Musikverlages in Köln dabei. Vorausgegangen waren Gedanken und Gespräche
über alternative Produktionsmöglichkeiten bzw. des entsprechenden Vertriebs
durch Frauen, um der "Vorherrschaft" der Männer in dieser Branche
"einen Riegel vorzuschieben". Außerdem ärgert es sie, daß ihr
Verleger für’s Nichtstun Geld bekommt.
Sie bekommt von ihrer Schallplattenfirma die Gelegenheit, die Produktion
ihrer neuen
Single "Du bist ganz anders" zu übernehmen. Nachdem das positiv
verläuft, "darf" sie dann auch die nächste LP selbst produzieren.
Hilfe bei organisatorischen Fragen bekommt sie von Vera Brandes (Musikagentin für
Jazz). Außer Promotion und Vertrieb (Manchmal geht es eben nicht ganz ohne
Männer) liegt nun so ziemlich alles in ihren Händen. Ina ist ihre eig. Texterin,
Komponistin, Covergestalterin, Produzentin und Verlegerin.
Der Arrangeur dieser LP ist Rainer Brüninghaus. Am Baß sitzt Hansgeorg
(Micki) Meuser, der eine immer wichtigere Rolle in Inas Karriere spielen wird.
ir fragen uns nun natürlich, ob er vielleicht ihr "Traum
von einem
Mann" ist, wie sie selbst in einer Bio schreibt. Nicht, daß es uns irgendetwas
angeht - ist nur der Vollständigkeit halber.
